Lucas Landenberger

Update aus dem Alltag von Mollesnejta

Es wird mal wieder Zeit, hier zu berichten, was ich die letzten Wochen in Cambuyo getan habe. Momentan bin ich der einzige Praktikant auf Mollesnejta, Simon hat sein Praktikum beendet und Gustavo ist mal wieder für eine Woche in La Paz. Seit Simon weitergereist ist, bin ich gezwungen mehr Spanisch zu sprechen und mache doch immerhin kleine Fortschritte. Sprachen zu lernen ist aber definitiv nicht meine Stärke. Inzwischen können Gustavo und ich uns aber ganz gut verständigen und ich erfahre viel über Bolivien und die Bolivianer von ihm. Auch beim Einkaufen usw. komme ich sprachlich gut zurecht, wobei immer entscheidend ist, wer mit mir spricht. Spricht mein Gegenüber zu undeutlich, zu schnell oder den gefährlichen Mix aus Spanisch und Quechua,  bin ich schnell aufgeschmissen.

Auch letzte Woche hätte ich gerne etwas mehr verstanden, als wir zusammen mit Johanna, einer Doktorandin aus Deutschland, Kleinbauern mit Agroforstparzellen besuchten. Johanna arbeitet an ihrem Post-Doc über das politische und ökonomische Umfeld für Agroforstbauern. Diese Besuche waren sehr interessant, bekommen wir hier auf Mollesnejta doch hauptsächlich die technischen Aspekte um Agroforst mit. Die meisten Parzellen sind jedoch nur wenige Jahre alt, es wäre interessant ein „fertiges“ Agroforstsystem hier in der Gegend zu sehen, schließlich brauchen die Parzellen doch oft viele Jahre, bis  viele ihrer Vorteile zum Tragen kommen.

Eine Agroforstparzelle im Valle Alto mit vielen Fruchtbäumen und Oregano zwischen den Baumreihen
Eine Agroforstparzelle im Valle Alto mit vielen Fruchtbäumen und Oregano zwischen den Baumreihen

Ansonsten arbeiteten wir die letzten Wochen vor allem im „Schwarzwald“, der aber verdächtig nach einer Plantage mit Pinus radiata (eine schnellwachsende Kiefernart) aussieht. Zwischen den Kiefern wachsen jedoch noch einige andere Baumarten, welche aber von der Kiefer überwachsen wurden. Um der Parzelle etwas ihren Plantagencharakter zu nehmen förderten wir diese Baumarten durch das Asten der Bäume auf 4-5m Höhe. So kann nebenher auch noch gutes Holz produziert werden, auch wenn die meisten Bäume dafür zu weit auseinander stehen, wodurch sich schon zu dicke Äste gebildet haben.  An besonders dichten Stellen entnahmen wir auch Bäume. Dies erledigten wir mit einer Axt, was zusammen mit dem Besteigen jedes einzelnen Baumes eine enorm schweißtreibende Arbeit ist, welche mir aber auch viel Spaß macht. War ich in Deutschland bereits als Vielesser bekannt, breche ich hier bei der Waldarbeit inzwischen sämtlich Rekorde.

Gustavo beim Asten im "Schwarzwald"
Gustavo beim Asten im “Schwarzwald”

Davon abgesehen bereiten wir nebenher im Pflanzgarten die Pflanztüten für die kommende Saison vor und sähen auch schon die ersten Bäume und Sträucher. So weit wie möglich werden alle Pflanzenarten aus Samen der älteren Bäume hier auf dem Gelände selbst aufgezogen.

Der Rest der Zeit geht mit Hausarbeit, Einkaufen und Wäschewaschen schnell vorbei. Hier in Bolivien dauert eben alles etwas länger. Eine Einkaufstour ins maximal zehn Kilometer entfernte Quillacollo, oder meine Wäsche von Hand zu schrubben kann beides schon mal einen Nachmittag in Anspruch nehmen. Bleibt dann noch Zeit, lese ich mir Artikel über Agroforst in semiariden Gebieten durch und schreibe außerdem an einem Bericht über den Boden hier auf Mollesnejta. Der Text wird demnächst auch hier veröffentlicht. An den Sonntagen verstärke ich außerdem noch die Fußballmannschaft unseres Dorfbezirks in der „Dorfliga“ von Cambuyo. Nicht das ich Fußball spielen könnte, aber schließlich herrscht Spielermangel und auf Grund meiner Körpergröße habe ich in der Abwehr gegen meine meist 20cm kleineren Gegenspieler doch etwas Chancen. Die Spiele werden zwar recht ernst genommen, davon abgesehen kann es jedoch auch mal vorkommen, dass während eines Spiels ein Auto auf dem Platz umdreht, oder zwei Kinder und ein Hund vor dem Strafraum Ball spielen, wenn die Partie sich auf der anderen Spielfeldhälfte abspielt.

Nächste Woche reisen wir vielleicht noch ins tropische Tiefland um auf einem Agroforsttreffen vorzutragen. Noemi hat mich natürlich auch gleich wieder motiviert etwas vorzubereiten, wobei ich mir mit meinen mangelhaften Sprachkenntnissen und als Bachelorstudent unsicher bin, ob ich der richtige Vertragende für diese Treffen bin. Davon abgesehen wäre es natürlich sehr interessant für mich, noch die tropischen Agroforstsysteme zu besichtigen. Anschließend ist mein Praktikum dann auch schon vorbei  und ich werde die restliche Zeit in Südamerika mit Reisen verbringen, bevor ich dann zu Hause in Freiburg meine Bachelorarbeit schreiben muss.

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