Lucas Landenberger

Mein persönlicher Entwurf einer Agroforstparzelle für Mollesnejta

Während der vergangenen zwei Monate (April-Mai 2014) auf Mollesnejta hatte ich viel Gelegenheit verschiedenste Agroforst-Parzellen und Pflanzen, auch außerhalb des Geländes, zu beobachten und Noemis Ansichten über Agroforst zu hören. Außerdem waren wir Praktikanten ständig am diskutieren, wie denn nun die „perfekte“ Agroforstparzelle auszusehen habe und welche Arten wohl dafür geeignet wären. Zusätzlich habe ich einige Artikel über Agroforst in semi-ariden Gebieten gelesen. Als abschließender Bericht kommt hiermit mein persönlicher Entwurf eines Agroforstsystems unter Bedingungen wie auf Mollesnejta.

Die beiden Hauptziele der beschriebenen Parzelle:

  • Die Parzelle soll produktiv, auch im ökonomischen Sinne sein. Eine große Bandbreite an Produkten, sowohl für die Selbstversorgung, als auch solche für den Verkauf auf Märkten oder den Export soll produziert werden. Aus ökonomischen Gründen sollen die geldbringenden Arten daher auch in relativ großer Dichte gepflanzt werden. Allerdings fehlt es mir an Wissen, für welche Produkte es einen lokalen Absatzmarkt gibt.
  • Durch das Einbringen von Bäumen in das landwirtschaftliche Produktionssystem soll die Produktivität des Standorts langfristig bewahrt bzw. verbessert werden. Dies geschieht z.B. durch die Verminderung von Erosion, was bei Bodentypen wie dem auf Mollesnejta (wenig Gefügestruktur, großer Schluffanteil, Hanglage) besonders wichtig ist. Daher soll auch eine ausreichende Menge Mulchmaterial produziert werden, um dieses dem Boden zuzuführen.

Diese Zielsetzungen lassen sich meiner Meinung nach am besten in einem Alley-Cropping-System verwirklichen. Da Bewässerung in ariden Gebieten die Gefahr birgt den Boden zu versalzen soll die folgende Parzelle ohne künstliche Beregnung auskommen. An Bewässerungswasser zu kommen ist in Dörfern wie Combuyo normalerweise auch nicht einfach. Die Wasserrechte werden zusammen mit den Grundstücken vererbt. Wer kein Recht auf Wasser hat muss ohne Beregnung auskommen.

Für unbewässerte Agroforstsysteme in semi-ariden Gebieten ergeben sich meiner Meinung nach folgende Konsequenzen:

  • Sämtliche Pflanzenarten müssen an die trockenen Klimabedingungen angepasst sein. Hier häufig verwendete Arten wie Apfel oder Pfirsich zeigen nach meinen Eindrücken nur mit Bewässerung wirklich gutes Wachstum.
  • Auf schnellwachsende Holzbaumarten wie Eukalyptus soll verzichtet werden, da diese große Mengen Wasser benötigen, wodurch es meiner Ansicht nach zu Wasserkonkurrenz kommen kann. Außerdem versauern Arten wie Kiefern und Eukalyptus den Boden.
  • Allgemein soll die Pflanzdichte in der folgenden Parzelle nicht zu hoch sein, da nur eine begrenzte Menge Wasser für das Pflanzenwachstum zur Verfügung steht.
  • Da in Alley-Cropping-Systemen der semi-ariden Gebiete aufgrund von Wasserkonkurrenz häufig Rückgänge in den Erträgen der Feldfrüchte zu beobachten sind, sollen die Baumarten ebenfalls, soweit wie möglich, einen ökonomischen Nutzen bringen. Wenn durch Erträge der Baumarten, Einkommen erwirtschaftet werden kann, sehe ich eine größere Wahrscheinlichkeit, dass Landwirte diese Systeme anwenden.

Folgende Arten halte ich für ein Alley-Croppingsystem für erfolgversprechend:

Dienende Baumarten, z.B. zur Produktion von hochwertigem Mulch, sie sind in meinem Beispiel Leguminosen, d.h. sie können mit Hilfe von Symbiose mit Bakterien Stickstoff aus der Luft fixieren:

  • Acacia dealbata: Diese Akazie wird hier bereits erfolgreich gepflanzt und wächst sehr schnell. Sie soll aber nur in geringer Dichte angebaut werden. Der Baum ist eine Leguminose und zusammen mit seinen tiefen Wurzeln kann er Nährstoffauswaschung entgegen wirken.
  • Tagasaste (Chamaecytisus proliferus ssp. Palmensis): Tagasaste ist ebenfalls eine Leguminose, wächst strauchförmig und ist eine hervorragende Futterpflanze.
    Akazia dealbata
    Akazia dealbata      

    Tagasaste
    Tagasaste

Fruchttragende Baumarten: Diese sollen in meinem Beispiel auch standortverbessernde Wirkung haben, um möglichst viele Ertragsbringende Arten in die Parzelle integrieren zu können:

  • Tara (Caesalpinia spinosa): Tara ist ein hier heimischer Baum, welcher Hülsenfrüchte liefert. Aus den Hülsen dieser Früchte werden Gerbstoffe hergestellt, welche exportiert werden können. Da diese Gerbstoffe momentan sehr begehrt sind, sehe ich in Tara eine Cash-Crop. Tara ist zusätzlich eine Leguminose.
  • Pacay (Inga ssp.): Pacay ist eine hier sehr häufige Fruchtart. Er liefert Schoten mit essbaren Kernen. Die Früchte werden gelegentlich auch auf örtlichen Märkten angeboten. Pacay ist ebenfalls eine Leguminose.
    Pacay
    Pacay

    Tara
    Tara
  • Olive (Olea europea): Olivenbäume wachsen unter den hiesigen Bedingungen auch ohne Bewässerung und verlieren ihre Blätter während der Trockenzeit nicht, wodurch sie auch dann Schatten spenden. Das Wurzelsystem bildet sich nach Astung ebenfalls zurück, wodurch unterirdische Konkurrenz zu Kulturpflanzen vermindert werden kann. Olivenöl ist scheinbar recht teuer in Bolivien, ob es allerdings auch einen lokalen Absatzmarkt für die Früchte gibt, kann ich nicht sagen.

    Olivenbaum
    Olivenbaum

Holzbaumarten: Über die „perfekte“ holzliefernde Baumart für ein hiesiges Agroforstsystem bin ich mir noch nicht ganz im Klaren. Sie sollte auch im weiten Pflanzverband eines Agroforstsystems gutes Holz liefern können. Folgende Arten habe ich bisher in Betracht gezogen:

  • Fraxinus americana: Die Fresno wächst hier auf Mollesnejta recht gut und Eschenholz ist, zumindest im Fall der europäischen Esche, eine begehrtes Holz für die Herstellung von Stielen von Äxten, Schaufeln usw.
  • Pinus (canariensis?): Auf Mollesnejta gibt es neben Pinus radiata eine weitere Kiefernart, welche ich jedoch nicht eindeutig bestimmen konnte. Sie wächst aber sehr geradschaftig und lässt sich sehr gut asten.
    Fraxinus americano
    Fraxinus americano

    Geheimnisvolle Kiefer
    Geheimnisvolle Kiefer
  • (Milea volkensii: Die Art stammt aus Westafrika, liefert gutes Holz und wird häufig in Agroforstsystem verwendet. Ob sie jedoch überhaupt hier wächst ist aber vermutlich noch nie erprobt worden.)
  • Sonstige Akazienarten: Es gibt eine Vielzahl von Akazienarten (ca. 1000), darunter auch einige die bereits in anderen Gegenden als Lieferant für hochwertiges Holz dienen. Diese könnten ebenfalls ausprobiert werden.

Einheimische Baumarten: Diese sollen in geringem Umfang vor allem zur weiteren Diversifizierung des Systems gepflanzt werden und damit z.B. Schädlingsbefall und Krankheiten  entgegenwirken. Sie liefern außerdem Mulch und Brennholz:

  • Jacaranda (Jacaranda mimosifolia): Der Baum ist sehr gut an die Bedingungen im Valle de Cochabamba angepasst und als Jungbaum wird seine Rinde nicht von den wilden Meerschweinchen und Kaninchen angenagt, was bei vielen anderen Baumarten zum Absterben führt.
  • Molle (Schinus molle): Der Mollebaum wächst auch natürlicherweise überall im Valle de Cochabamba. Er lässt kontinuierlich Laub fallen und sich auch medizinisch vielfältig nutzen.
    Jacaranda
    Jacaranda

    Molle
    Molle

Feldfrüchte (als Forststudent kenne ich mich allgemein wenig mit landwirtschaftlichen Pflanzen aus):

  • C4 Pflanzen: Für die mittleren Bereiche zwischen den Baumreihen mit viel Licht und wenig Schutz sind C4 Pflanzen wie Mais, Hirse oder Amarant vorgesehen. Auch Kartoffeln, wenn sie auch keinen C4 Stoffwechsel besitzen, können in die Fruchtfolge integriert werden.
  • Schattenerträgliche Kulturpflanzen: Als wirklich passende und „agroforsterprobte“ Art ist mir bisher nur die Augenbohne (Vigna unguiculata) aus Westafrika bekannt. Sie erträgt sowohl Schatten und Trockenheit sehr gut, weswegen sie sich vor allem für die Bereiche nahe an den Baumreihen eignet. Die Augenbohne ist außerdem eine Leguminose und wird auch schon in Südamerika angebaut. Auch sonstige schattenvertragende Gemüsearten welche auch mit der Trockenheit zurechtkommen können geeignet sein.

Sonstige Arten:

  • Faidherbia albida aus Westafrika wäre eine sehr interessante Baumart, da sie in der Trockenzeit Blätter trägt und sie mit Beginn der Regenzeit abwirft. So besetzt sie eine andere ökologische Nische als die meisten anderen Pflanzen in meinem System. Ob Faidherbia im Valle de Cochbamba wächst wird gerade auf Mollesnejta getestet.

Folgende Anordnung wäre für eine Parzelle mit einem 1/4ha (50 x 50 m) möglich:

Die Parzelle besteht aus hangparallelen Baumreihen mit ca. 11m Abstand zwischen den Reihen. Die blauen Bereiche bestehen vor allem aus heimischen und holzliefernden Arten. Sie dienen vor allem zum Schutz, z.B. bilden diese Arten die Ränder der Parzelle und sind dort zum Schutz vom Wind auch dichter gepflanzt. An der Seite zur Hauptwindrichtung befindet sich eine zusätzliche Reihe aus dicht gepflanzten Büschen als Windschutz. Die roten Bereiche werden von produktiven Fruchtbaumarten geprägt. Schattenertragende Kulturpflanzen befinden sich in den grünen Bereichen neben den Bäumen und die C4-Pflanzen sind in den gelben Abschnitten zu finden. Zum besseren Schutz vor Erosion können in die Baumreihen auch noch Sträucher, z.B. Oleander oder einheimische Arten,  integriert werden. Oleander wächst gut in Mollesnejta und trägt Blüten, welche Bienen anziehen können.

Unbenannt

Erklärung:

Ac= Acacia dealbata                        H= Holzbaumarten

Ta= Tagasaste                                    Ja= Jacaranda

Ol= Olive                                             M= Molle

Pa= Pacay                                            C3= Schattenertragende Kulturpflanzen

Tr= Tara                                              C4= C4 Kulturpflanzen

Ar= sonst. Strauchart

Ein Kästchen entspricht einem Meter. Damit befindet sich zwischen den Baumreihen etwa 11m und zwischen den einzelnen Fruchtbäumen etwa 4m Platz.

Behandlung der Parzelle

Die Bäume müssen regelmäßig geschnitten werden um zu vermeiden, dass es zu starker Beschattung oder Wasserkonkurrenz kommt. Das anfallende Mulch soll vor der Trockenzeit zum Schutz vor Evaporation auf die Bodenoberfläche gelegt werden und kann in den Bereichen der Kulturpflanzen mit der Bodenbearbeitung (am besten ohne Pflügen) in den Boden eingearbeitet werden. Eventuell überschüssiges Brennholz kann zu Holzkohle verarbeitet und ebenfalls in den Boden eingearbeitet werden.

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