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Mein Praktikum auf Mollesnejta (01/02/2016 – 31/03/2016)

Die ersten 4 Wochen auf Mollesnejta waren sehr ereignis- und lehrreich, sodass es mir vorkommt, als sei ich schon eher einige Monate hier auf dem Grundstück von Noemi Stadler-Kaulich, welches oberhalb des Quechua Dorfs, Combuyo, liegt. Wenn ich die ersten WochenRevue passieren lasse, waren meine Hauptaufgaben bisher zum einen das Pflanzen von Bäumen, Sträuchern und weiteren Nutzpflanzen, wie z.B. Aloe Arten, Tuna etc. und zum anderen das Schneiden von Gräsern, Kräutern und Büschen. Zusammen mitanderen Praktikanten und „WWOOFern“ habe ich zwei „lebende“ Zäune angelegt. Der Zweck des ersten Zaunes, für den wir Chacatea und Tagasaste gepflanzt haben, ist die frei laufenden Gänse davon abzuhalten zum Grasen in eine Luzerne-Parzelle zu gelangen. Chacatea ist ein einheimischer Strauch der für verschiedene medizinische Zwecke z.B. bei rheumatischen Beschwerden verwendet werden kann. Tagasaste ist eine Baumart der Kanarischen Inseln, welcher seine Bodenumgebung aufgrund der Tatsache, dass es eine Leguminose ist, mit Stickstoff versorgt. Der zweite Zaun, welchen wir angelegt haben, soll in einigen Jahren, wenn die Bäume groß genug sind, die Kuhweide eingrenzen. Das Anlegen der Zäune war teilweise eine sehr anstrengende und bei den hohen Temperaturen, welche hier herrschen, schweißtreibende Aufgabe. Für jeden gepflanzten Baum bzw. Strauch musste ein mind. 30 cm tiefes Loch ausgehoben und die darin vorhandenen Steine entfernt werden, um zu gewährleisten, dass die jungen Pflanzen genau Raum haben, um ihre Wurzeln auszubilden.

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Parzelle, um die wir den Zaun aus Chacatea und Tagasaste gepflanzt haben

Desweiteren habe ich zusammen mit Noemi weitere Parzellen bepflanzt, mit den oben bereits genannten Pflanzen, aber auch mit Obstbäumen wie Apfel und Feige. Dabei wurde natürlich systematisch gepflanzt, d.h. die Grundsätze von Agroforst beachtet. Hier auf Mollesnejta wird sogenannter dynamischer Agroforst betrieben. Eine dynamische Agroforstparzelle besteht aus verschiedenen landwirtschaftlichen Kulturen, Fruchtbäumen und einer Vielzahl einheimischer Pflanzen, insbesondere einheimischen Büschen und Bäumen. Daraus entsteht ein geschlossener Nährstoffkreislauf. Die einheimischen Büsche- und Baumarten übernehmen dabei vielfältige Funktionen: Es wird darauf geachtet, dass sich die Arten gegenseitig unterstützen z.B. ein Obstbaum, welcher eine hohen Wasser –und Nährstoffbedarf hat, neben einer Leguminose oder tiefwurzelnden Pflanze, welche dafür sorgt, dass genügend Wasser und Nährstoffe wie Stickstoff im Boden vorhanden sind. Desweiteren wirkt eine hohe Artendiversität dem Schädlings- und Krankheitsdruck entgegen, sodass keine Pflanzenschutzmittel nötig sind. Chirimolle, ein einheimischer Begleitobaum, beispielsweise beinhaltet natürliche Abwehrstoffe gegen Insekten. Worauf wir beim Pflanzen besonders achten ist, dass um die Pflanzen herum der Grünschnitt aus der Parzelle wie ein Kranz um die Baumscheibe herum gelegt wird. Das Schnittgut sorgt dafür, dass zum einen die Bodenfeuchte länger erhalten bleibt, was bei dem vorherrschenden semiariden Klima mit einer durchschnittlichen Trockenperiode von 9 Monaten und einer Regenzeit von nur ca. 3 Monaten enorm wichtig ist. Außerdem wird dadurch ein Mikroklima im Boden geschaffen, welches extremen Temperaturschwankungen entgegenwirkt und so die Anwesenheit von Bodenlebewesen fördert. Desweiteren wird der Humusanteil im Boden erhöht, was dem erodierten Boden bei der Regeneration hilft.

Am Beispiel von sogenannten Pflanzkreisen abe ichgelernt, dass es wichtig ist Arten zu kombinieren, welche sich in ihrer natürlichen Suksession unterscheiden (Pionierpflanzen, zusammen mit Sekundär- und Primärpflanzen). Das ist wichtig, damit die Primärt in ferner Zukunft genügend Platz hat um seine Krone auszubilden.

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Beispiel von sogenannten “Pflanzengesellschaften”. Ausserdem ist zu sehen wie der Gruenschnitt um die Pflanzen herumgebettet ist.

Desweieteren ist es wichtig, dass die Bäume und Sträucher periodisch zurückgeschnitten werden, um das System in einer ständigen Weiterentwicklung zu halten. Dies fördert die Produktion der angebauten Kulturen.

Da ich mich bereits während meines Studiums viel mit dem Thema Biokohle auseinandergesetzt habe, habe ich mein eigenes kleines Experiment gestartet. Auf einer kleinen Parzelle von 2 m2  untersuche ich den Einfluss von Pflanzenkohle auf das Wurzelwachstum am Beispiel von Rote Beete. Die dafür verwendete Pflanzenkohle stellt Noemi zwei Mal pro Woche während des Kochens des Futters für die Hunde her. Normalerweise wird diese Pflanzenkohle zusammen mit Kompost, dem Mist der Kühe, Esel und Gänse sowie teilweise verrottetem Laub, das bereits Bodenorganismen enthält gemischt und eine Art Terra Preta hergestellt, welche als Bodenverbessererbeim Pflanzen von Obstbäumen dem Pflanzlochsubstrat untergemischt wird.

Während des zweiten Monats auf Mollesnejta durfte ich Noemi zu zwei Agroforstkursen begleiten, welche sie im Rahmen des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) geförderten Projektes „Verbesserung der Lebenssituation von Kleinbauern in semiariden Tälern von Cochabamba, Bolivien mit dynamischem Agroforst“ hält. Dies war besonders spanned für mich, da ich somit die Umsetzung andere Agroforstsysteme in Bolivien erleben durfte. Einer der Kurse wurde un Arani mit Studenden der staatlichen Universität Mayor de San Simón durchgeführt und ein weiterer auf gut 4.000 Meter über NN in den bolivianischen Anden mit einigen Kleinbauern des Quechua Dorfes Kaspicancha. Die Bedürfnisse und Vorkenntnisse der Zielgruppen waren  sehr verschieden. Genauso individuell wurden auch die Kurse gestaltet. Gemeinsam haben wir zuerst die einzelnen Agroforstparzellen besichtigt, wobeiwerden Fragen, Probleme und Ergebnisse vor Ort erörtert werden konnten. Danach wurden die theoretischen Grundlagen eines Agroforstsystems erklärt.

Desweieteren gab es im zweiten Monat meines Praktikums einiges in der Baumschule zu tun. Nachdem das Pflanzen vor dem Winter und der Trokenzeit abgeschlossen war, wurde die Baumschule aufgeräumt. Die Erde leerer Pflanztüten wurden ausgeleert, nicht gepflante Planzen in grössere Pflanztüten umgepflanzt. Desweiteren habe ich junge Samen und Jungpflanzen des Tagasatebaums unter derren Mutterbaum ausgegraben und gesammelt und diese in Pflanztüten gepflanzt, sodass sie unter geschützten Bedingungen und Bewässwerung bis zum nächsten Jahr heranwachsen können.

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Jungpflanzen/Samen in Pflanztueten

 

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